Der dermatologische Patient – Hautkrankheiten bei Hund und Katze

 

Eosinophile Gesichtsfurunkulose
Hund mit schwerer eosinophiler Gesichtsfurunkulose

Viele Patienten werden uns wegen Haut- und Fellproblemen vorgestellt. Hautkrankheiten sind häufig und fallen dem Besitzer meist schnell ins Auge. Wenn zudem schwere Hautveränderungen oder starker Juckreiz vorliegen, ist der Leidensdruck für Tier und Mensch besonders groß. Da ist es nur verständlich, wenn Sie als Besitzer eines betroffenen Tieres rasch eine Diagnose und eine wirkungsvolle Therapie erwarten.

 

Leider ist es aber so, dass sehr viele unterschiedliche Erkrankungen mit Veränderungen von Haut und Haarkleid einhergehen, die sich äußerlich oft nicht voneinander unterscheiden lassen.

 

Eosinophile Gesichtsfurunkulose nach Therapie
Erfolgreich therapierte Eosinophile Gesichtsfurunkulose nach 2 Monaten

Daher ist es besonders wichtig, bei der Diagnosefindung von Hauterkrankungen strukturiert vorzugehen.  

Den größten Stellenwert hat dabei die Anamnese (Krankengeschichte). 

 

Mit Hilfe der Informationen, die Sie uns zu Ihrem Tier, seinen Lebensumständen und Gewohnheiten geben können, lässt sich das Spektrum möglicher Erkrankungen schon erheblich eingrenzen.   

 

Um ein möglichst umfassendes Bild von Ihrem Tier zu erhalten, bieten wir hier einen Anamnesebogen zum Download an, den Sie nach Möglichkeit schon zu Hause in Ruhe ausfüllen und zum Termin in die Praxis mitbringen.

 

 

In der Praxis erfolgt dann eine gründliche allgemeine und dermatologische Untersuchung.

Um dem Problem auf die Spur zu kommen, sind danach meist weiterführende Untersuchungen notwendig.

Dazu gehören:

  • das einfache Kämmen mit einem besonders engmaschigen Kamm zur Untersuchung auf Flöhe oder Läuse und auch zur Gewinnung von Hautschuppen

  • das Anleuchten mit der sogenannten Woodschen Lampe (UV-Leuchte) zum Nachweis bestimmter Hautpilze

  • oberflächliche und tiefe Hautgeschabsel und anschließende mikroskopische Untersuchung, um z.B. Demodexmilben aufzuspüren, die in tieferen Hautschichten leben

  • Trichoskopie: Das ist die Untersuchung von ausgezupften Haaren und insbesondere der Haarwurzeln unter dem Mikroskop.

  • Klebestreifenabklatschpräparat: Hierbei wird ein Tesafilmstreifen auf die Haut oder das Fell gedrückt. Lockere Hautschuppen, oberflächlich lebende Milben, eventuell vorhandene Bakterien oder Hefepilze bleiben auf der Klebeschicht haften und lassen sich anschließend mikroskopisch untersuchen.

  • Zytologie: Die zytologische Untersuchung ist bei vielen dermatologischen Erkrankungen wertvoll und nahezu unverzichtbar. Durch verschiedene Techniken bringt man Zellen von veränderten Hautbezirken auf einen Objektträger (Glasplättchen). Im Praxislabor wird der Objektträger in mehreren Schritten gefärbt, mikroskopisch untersucht und beurteilt. Auch aus knotigen Hautveränderungen lassen sich mittels Feinnadelaspiration gut Zellen entnehmen und untersuchen. Näheres dazu können Sie auch unter dem Stichwort „Tumorsofortdiagnostik“ nachlesen.

  • Pilzkultur: Sie dient zum Nachweis von Infektionen mit Hautpilzen (Dermatophyten). Schuppen und Haare von verdächtigen Stellen werden auf einen Nährboden gelegt und man wartet ab, ob eine Pilzkolonie heranwächst (dauert in der Regel 7-14 Tage).

  • Hautbiopsie: Unter Lokal- oder Allgemeinanästhesie werden kleine Hautstanzen entnommen und an einen Pathologen zur feingeweblichen Untersuchung übersandt.

  • Bakterienkultur: Sie dient der Identifizierung von Bakterien und hilft bei der Auswahl des geeigneten Antibiotikums bei bakteriellen Infektionen der Haut und insbesondere auch des Gehörganges.

  • Blutuntersuchungen und Funktionstest bei Verdacht auf hormonell bedingte Störungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion oder Nebennierenrindenüberfunktion), die Auswirkungen auf Haut und Haare haben.

  • Allergietests dienen bei der sogenannten Atopie der Identifizierung der allergieauslösenden Quelle (Pollen, Milben etc.), um dann die Allergene zu meiden oder eine Allergenspezifische Immuntherapie (ASIT), auch Hyposensibilisierung genannt, einzuleiten. Bei Allergietests unterscheidet man zwischen Intradermaltests (die Testlösung wird in die Haut gespritzt und später die Reaktion darauf beurteilt) und Bluttests, die mittlerweile ebenfalls sehr zuverlässig sind. Derzeit gibt es aber noch keine guten Testverfahren zum Nachweis einer Futtermittelallergie/-unverträglichkeit. Hier bedarf es einer konsequent durchgeführten Ausschlussdiät unter tierärztlicher Aufsicht.

 

Diagnose und Therapie von Tieren mit Hauterkrankungen erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierbesitzer und Tierarzt. Nur so ist der Erfolg einer Behandlung gewährleistet, der dann letztendlich Ihrem Tier zu Gute kommt.